Fahrer

Porträt

Romain Dumas: Monsieur 100.000 PS.

Wenn der Tag doch nur 25 Stunden hätte. Dann könnte Romain Dumas noch das eine oder andere Projekt zusätzlich angehen. Der aus dem südfranzösischen Alès stammende Vollblut-Motorsportler ist die personifizierte Ruhelosigkeit. Es gab Jahre, in denen lief er sich im Januar mit der Rallye Dakar warm, ist anschließend die komplette Saison in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (FIA World Endurance Championship, WEC) für das Werksteam von Porsche gefahren, hat dabei unter anderem das 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewonnen, schob nebenbei ein paar Rallyes ein, darunter wie selbstverständlich auch Läufe zur Weltmeisterschaft – und feierte außerdem den Gesamtsieg beim Pikes Peak International Hill Climb.

 

Antrieb: Begeisterung und Ehrgeiz

 

„Langstreckenrennen sind mein Beruf. Bergrennen und Rallyes sind meine Hobbys. Beides ist Leidenschaft", sagt Dumas und untertreibt dabei etwas. Denn längst fährt er nicht nur selbst Rallyes oder stürmt den Pikes Peak hoch. Von seiner Mannschaft eingesetzte Rennfahrzeuge erzielen in der Hand von Kunden durchaus häufig Klassensiege. „Ich habe anfangs für meine privaten Einsätze Autos gemietet und dabei häufig Schiffbruch erlitten. Auf meine eigenen Leute kann ich mich dagegen zu 100 Prozent verlassen", erinnert sich Dumas an die Initialzündung für die Gründung eines eigenen Teams. Die meisten seiner rund ein Dutzend Mitarbeiter kennt er zudem bereits seit Schultagen.

 

Wie Dumas dieses Pensum schafft, ist auch Lebenspartnerin Elysia manchmal ein Rätsel. Mit ihr und dem gemeinsamen Sohn Gabin lebt Dumas in Genf. „Ich brauche das einfach, mir macht das nichts aus. 16 Stunden Arbeit pro Tag sind für mich normal", winkt der rastlose Südfranzose ab. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Dumas von der Rennfahrerei einfach nie genug kriegen kann. Begeisterung und Ehrgeiz als Triebfedern des Lebens.

 

Herausforderung Langstrecke: ausdauernde Teamarbeit

 

Die wahre Stärke des durchtrainierten Energiebündels liegt auf der Langstrecke. Allein acht Siege bei 24-Stunden-Rennen gehen inzwischen auf Dumas' Konto. Mit Prototypen von Audi und Porsche gewann er in Le Mans, mit Porsche 911 insgesamt vier Mal auf dem Nürburgring und zwei Mal in Spa-Francorchamps. „An Langstrecken-Rennen fasziniert mich vor allem die Arbeit im Team", sagt Dumas. Auch die Rallye Dakar – laut Dumas die „härteste Erfahrung meiner Motorsportkarriere" –, Läufe zur Rallye-Weltmeisterschaft oder die über 1.600 Kilometer durch Italien führende Oldtimer-Rallye Mille Miglia fallen für ihn eher in die Kategorie Ausdauersport. Sogar Marathons lief Dumas früher. „Dafür habe ich heute leider keine Zeit mehr", bedauert er.

„Solch anspruchsvolle Strecken mag ich."


In dieser Reihe bildet der nur knapp 20 Kilometer kurze Sprint auf den Pikes Peak, den legendären Berg nahe Colorado Springs in den USA, eine Ausnahme. „Die Straße rauf auf den Pikes Peak erinnert mich stark an die Nordschleife des Nürburgrings. Solch anspruchsvolle Strecken mag ich", lautet Dumas' knappe, aber stimmige Erklärung. In Colorado ist er längst ein Held. Seine Siegesfahrt im Jahr 2016, die er in einem vom Team RD eingesetzten Sportprototypen absolvierte, war die drittschnellste in der 102-jährigen Geschichte des „Pikes Peak International Hill Climb".


Rennfahr-Legende Jacky Ickx als Vorbild


Interessanterweise ist das legendäre „Race to the Clouds" am Pikes Peak aber in Dumas' Motorsportkarriere die einzige Verbindung zu Bergrennen. Interessant deswegen, weil Vater Maurice früher Bergrennen fuhr und Dumas junior hier erste Kontakte zum Motorsport knüpfte. „Aber ich wollte in die Formel 1", erklärt Dumas diesen Widerspruch. Sein großes Vorbild als Rennfahrer war und ist der legendäre Jacky Ickx. „An Jacky begeistert mich seine immense Vielseitigkeit. Er hat Formel-1-Rennen gewonnen, war Sportwagen-Weltmeister und hat sogar einen Sieg bei der Rallye Dakar gefeiert. Vor dieser Leistung habe ich hohen Respekt."

 

Um Ähnliches zu erreichen, schlug Dumas zunächst den klassischen Weg des Rundstreckenpiloten ein: Start als 15-Jähriger im Kartsport, danach verschiedene Formel-Rennserien in Frankreich und europaweit. Ein nicht zuletzt finanziell aufwändiger Weg, der trotz Erfolgen in der Formel 3 und der Formel 3000 für den Jungen aus einfachen Verhältnissen in einer Sackgasse zu enden drohte. „Als ich Ende 2003 die Chance hatte, bei Porsche Werksfahrer zu werden, habe ich zugegriffen", erinnert sich Dumas. Ein Schritt, den er nie bereut hat. „Ich habe mich auf der Langstrecke sofort wohlgefühlt." Schnell stieg er vom Porsche 911 zu reinrassigen Sportprototypen der Stuttgarter Marke auf. In den USA gewann er mit dem werksunterstützten Team Penske die American Le Mans Series in der Kategorie LMP2.


Elektromotoren im Motorsport: Herausforderung für Technologie und Fahrer


2012 dann der nächste Aufstieg – mit dem Werksteam von Porsche in die neu geschaffene Langstrecken-Weltmeisterschaft. Im Porsche 919 sammelte Dumas erste Erfahrungen mit einem Hybrid-Rennfahrzeug. „Der Einsatz von Elektromotoren im Motorsport ist nicht nur eine technologische Herausforderung", stellt er fest. „Auch als Rennfahrer muss man reagieren und seinen Fahrstil umstellen." Eine Aufgabe, die Dumas mit Bravour meisterte. Mit Porsche gelang ihm 2016 ein zweiter Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Einen ersten hatte er als Gastfahrer im Werksteam von Audi sechs Jahre zuvor erzielt. Bei Porsche fand Dumas in dem Deutschen Timo Bernhard nicht nur einen kongenialen Teamkollegen, mit dem er sich häufig ein Fahrzeug teilte, sondern auch einen Bruder im Geiste. Genau wie Dumas startet auch Bernhard in seiner Freizeit gerne bei Rallyes. „Leider haben wir es noch nie geschafft, gegeneinander anzutreten. Das", grinst Romain Dumas, „wäre wirklich ein episches Duell."

Steckbrief

Persönliche Daten.

  • Name:                  Romain Dumas
  • Nationalität:        französisch
  • Geburtsdatum:   14. Dezember 1977
  • Geburtsort:         Ales, Frankreich

 

Hier geht's zur Website von Romain Dumas

Karriere

Gesamtsiege.

Serie Jahr Fahrzeug
Pikes Peak Intl. Hill Climb 2018 Volkswagen ID. R
  2017 Norma M20 RD
  2016 Norma M20 RD
  2014 Norma M20 RD
24H Le Mans 2016 Porsche 919 Hybrid
  2013 Porsche 911 RSR
  2010 Audi R15 TDI plus
FIA WEC 2016 Porsche 919 Hybrid
FIA R-GT Cup 2017 Porsche 997 GT3 RS 4.0