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Interview

Jochi Kleint über seinen Pikes-Peak-Start 1987.

„Die Verträge habe ich noch zu Hause liegen“, sagt er. Klaus-Joachim – genannt „Jochi“ – Kleint war 1977 der erste Rallye-Fahrer mit einem offiziellen Volkswagen Werksvertrag – und hat für unvergessliche Momente in der Volkswagen Motorsport-Historie gesorgt. Wir haben den gebürtigen Hamburger im „DRIVE. Volkswagen Group Forum“ bei der offiziellen Eröffnung der Sonderausstellung „50 Years of Excitement“ getroffen.


Sein Alter sieht man ihm nicht an. Kleint lebt und liebt den Motorsport bis heute, ist unter anderem als Instruktor bei der Audi Driving Experience tätig. „Da bleibst du im Training“, sagt er im typischen Hamburger Dialekt. Kleint ist drahtig, wirkt topfit. Genau wie zu seiner aktiven Zeit, als er 1987 in Colorado in über 2.800 Metern über dem Meeresspiegel auf dem Pikes Peak, einem der höchsten Berge der Welt, seinen 650 PS starken Bi-Motor-Golf startete, um den legendären Hillclimb zu absolvieren. Sein Beifahrer damals: ein Kassettenrecorder …

Herr Kleint, Sie sind in einem Golf mit zwei Motoren eine der gefährlichsten Strecken der Welt gefahren. Mit 650 PS immer knapp am Abgrund vorbei – was war das für ein Gefühl und worin bestand die Schwierigkeit?
Jochi Kleint: Der Pikes Peak ist einer der höchsten Berge der Welt. Wir sind damals auf Schotter gefahren und in 2.800 Metern über dem Meeresspiegel gestartet. Da musst du konditionell unheimlich fit sein. Die Höhe zu überwinden, das war schon extrem – bei 4.300 Metern bekommst du Atemnot. Was nicht einfach war: Du durftest vor der Veranstaltung nicht trainieren, sondern lediglich an drei offiziellen Trainingstagen üben, an denen der Berg in drei Abschnitte unterteilt und den verschiedenen Klassen zugeordnet wurde. Wir konnten uns nicht aussuchen, in welchem Abschnitt wir trainieren. Das war schon schwierig.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet – gab es ein spezielles Training?
Jochi Kleint: Ein spezielles Training in dem Sinne gab es nicht. Ich habe mir vorher mit einem amerikanischen Leihauto den Berg angeschaut. Alle Touristen wurden bei der Bergab-Passage kontrolliert, damit sie nicht so schnell fuhren und die Bremsen nicht versagten, wenn sie kurz vor der Hauptstraße waren. (lacht)

 

Sie waren 1985, 1986 und 1987 dabei. Was macht dieses Rennen für Sie so besonders?

Jochi Kleint: Es ist eine unglaubliche Herausforderung. Es geht ja los auf etwa 2.800 Metern Höhe und steigt an auf knapp 4.300 Meter, mit 156 Kurven und damals auf Schotter – das fordert unglaublich viel. Dazu die dünne Höhenluft, die dem Motor extrem zu schaffen machte. Spätestens ab etwa Meile 16 wurde es kritisch und der Leistungsverlust war dramatisch. Besonders beim ersten Start 1985 – da ging es ja noch mit einem Saugmotor rauf. Ganz besonders war aber auch, dass ich dreimal mit einem Bi-Motor starten durfte. Das ganze Konzept war wahnsinnig interessant. Wer hatte schon zwei Motoren im Auto? Dazu die Atmosphäre, die Vielfalt der Fahrer – die Stimmung bei Pikes Peak ist unbeschreiblich! Es ist eine unglaubliche Ehre, bei diesem Rennen starten zu dürfen. Auch wenn es letztlich nicht mit einem Sieg geklappt hat: Dreimal Pikes Peak gefahren zu sein, gehört für mich zu den besten Erfahrungen meiner Motorsport-Karriere. Und auf meinen Pokal als „Rookie of the Year", den ich 1985 bekam, bin ich heute noch total stolz.

 

Was ist elementar, um bei Pikes Peak erfolgreich zu sein?

Jochi Kleint: Wenn man bei Pikes Peak bestehen will, muss das Team eingespielt und das Fahrzeug exakt auf die Strecke abgestimmt sein. Und vor allem musst du als Fahrer absolut perfekt vorbereitet sein. Du sitzt ja allein im Cockpit. Deshalb habe ich mir damals meinen Aufschrieb auf ein Diktiergerät gesprochen und ihn immer wieder angehört. Es gibt da Strecken, da fährst du blind! Kuppen, Sonne, blinde Ecken – wenn du da nicht vorbereitet bist, verlierst Du wahnsinnig viel Zeit. Man braucht für jede einzelne Passage tausendprozentige Konzentration! Das Race to the Clouds ist eine Herausforderung, die meines Erachtens mit keiner anderen Veranstaltung in der Welt vergleichbar ist. Wenn das Konzept stimmt und die Erprobung gründlich ist, dann holen die Wolfsburger die E-Bestzeit, na klar!


Wie schwierig ist es, einen Golf mit zwei Motoren zu fahren?
Jochi Kleint: Ich musste mich unheimlich konzentrieren, dass die beiden Motoren synchron laufen. Das war auch der Fall, es gab aber immer wieder Lastwechsel beim Herunterschalten auf schnellen Abschnitten. Wenn du das Ansprechverhalten wiedererlangt hattest und aufs Gas gestiegen bist, gab es schon mal unterschiedliche Drehzahlen. Außerdem musstest du dich gedanklich darauf einstellen, dass du das Fahrzeug geradestellst, wenn du aus der Kurve fährst. Es waren mehrere Faktoren, die berücksichtigt werden mussten, um ein solches Auto zu fahren.


Wie haben die Zuschauer damals reagiert?
Jochi Kleint: Es waren viele Zuschauer beim ‚Race To The Clouds‘. Die Amerikaner haben das natürlich wahrgenommen und waren von den beiden Motoren im Golf begeistert. Das war damals für Volkswagen Motorsport und die Marke Volkswagen eine tolle Geschichte.

Wie war das Verhältnis von Angst und Respekt vor dieser Aufgabe – und wie denken Sie heute über diese Fahrt?
Jochi Kleint: Ich denke gern zurück und würde es wieder machen – jederzeit! Das ist eine unglaubliche Herausforderung in der Motorsport-Laufbahn. Ich habe es genießen dürfen, als es noch auf Schotter ausgetragen wurde. Heutzutage ist es asphaltiert, was auch interessant sein wird. Ich war nicht ängstlich, als ich hochgefahren bin. Ängstlich sollte man sowieso nicht sein. Ich hatte Respekt, das ist an dieser Stelle der bessere Ausdruck.

Sie hatten damals keinen Beifahrer, sondern haben den Aufschrieb aufgenommen und mit einem Kassettenrekorder abgespielt. Wenn Sie das noch einmal machen würden: wieder mit Rekorder oder einem „richtigen“ Beifahrer?
Jochi Kleint: Wenn sich nicht viel an der Streckenführung verändert hat, wüsste ich es noch größtenteils aus dem Kopf. Das könnte ich auch blind fahren. Die Aufnahme mit dem Kassettenrekorder habe ich gemacht, als ich mit dem Leihwagen langsam den Berg hochgekrochen bin. Als ich auf der eigentlichen Strecke trainierte, habe ich eine schnellere Version aufgenommen. Dazu hatte ich mir ein Aufnahmegerät um den Hals gebunden. Klar, ich musste deutlich lauter reden, aber es hat funktioniert.

Bestmarken

Rennrekorde.

Division Klasse Jahr Name Fahrzeug Zeit (Min.)
Electric Modified 2016 Rhys Millen e0 PP100 8:57,118
Electric Production 2016 Blake Fuller Tesla Model S 11:48,264
Challenge Ehibition 2015 Tetsuya Yamane Honda Electric SH-AWD 10:23,829
Challenge Open Wheel 2017 Clint Vahsholtz 2013 Ford Open 9:35,747
Challenge Pikes Peak Open 2017 Peter Cunningham 2017 Acura TLX GT 9:33,797
Challenge Vintage 2014 Ralf Christensson 1967 Ford Mustang GT350 10:46,000
Time Attack Time Attack 1 2013 Paul Dallenbach Hyundai Genesis Coupé 9:46,001
Time Attack Time Attack 2 2017 Rhys Millen 2017 Acura NSX 10:03,433
Unlimited   2013 Sébastien Loeb Peugeot 208 T16 Pikes Peak 8:13,878